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EXIT…NUR KEINE PANIK

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von Franz Novotny

Note: 7.5

Exit…nur keine Panik, der erste Kinospielfilm von Franz Novotny, lässt sich mit einer Achterbahnfahrt vergleichen. Respektlos, schockierend, verstörend, witzig und amüsant ist dieses Werk zu einem wahren Kultfilm der österreichischen Kinematographie geworden.

Wien am Pranger

Exit…nur keine Panik, der erste Kinospielfilm des berühmten österreichischen Filmemachers Franz Novotny, kann ohne Übertreibung mit einer Achterbahnfahrt verglichen werden. Respektlos, schockierend, verstörend, witzig und amüsant ist Werk zu einem wahren Kultfilm der österreichischen Kinematographie geworden und wurde anlässlich der Diagonale 2019 im Rahmen der dem Schauspieler Hanno Pöschl gewidmeten Reihe dem Publikum präsentiert.

Und in diesem Spielfilm sehen wir die unkonventionellste Leistung in der langen Karriere des Schauspielers. Er spielt den jungen Kirchhoff, einen Vorstadt-Rüpel, der mit seinem Freund Plachinger (Paulus Manker) und dessen Freundeskreis herumhängt, die Rolle des Verführers spielt und kleine Diebstähle und Vandalismus begeht. Der Junge träumt davon, eines Tages sein eigenes Café zu eröffnen (daher der Diebstahl einer Kaffeemaschine zu Beginn des Films). Vielleicht an einem weit entfernten Ort.

Eine echte Naturgewalt also, die trotz allem sofort auch sehr sympathisch wirkt. Zumindest während des ersten Teils des Spielfilms und vor einem perfekt kalibrierten Registerwechsel.

Wien ist in diesem Fall ungewöhnlich bunt, psychedelisch, mit frenetischen Rhythmen. Der Mythos der fernen Vereinigten Staaten wird als lebendig und pulsierend empfunden (die Protagonisten selbst scheinen z.B. dem unvergesslichen James Dean in …denn sie wissen nicht, was sie tun nacheifern zu wollen). Und die Kamera, zusammen mit einem herzzerreißenden Schnitt, ist perfekt in der Lage, all dies in Szene zu setzen.

Exit…nur keine Panik sorgte bei seiner Veröffentlichung für einen echten Skandal. Vor allem wegen des höchst respektlosen Tons, der die österreichische Gesellschaft und das Wiener Großbürgertum gnadenlos aufs Korn nimmt, ihr veraltetes Dekadententum und ihre heuchlerische Respektabilität kritisiert.

Wer könnte diese Gruppe von Anarchisten besser unterstützen als der Dramaturg Peter Turrini, der seine gesamte Karriere auf diese Kritik aufgebaut hat? Dazu hat sich der Autor in einen Wurstverkäufer verwandelt, der von Kirchhoff und seinem Freund verspottet wird. Und besonders urkomisch ist die Szene, in der wir sehen, wie sein Verkaufsstand in einige geparkte Autos kracht.

Und was ist mit dem Experimentalfilmer Kurt Kren, der vor einem offenen Fenster respektlos unzüchtige Handlungen praktiziert?

Jede Rolle wird plötzlich umgestoßen, jede Gewissheit wird in Frage gestellt. Auch Kirchhoffs Figur tritt nicht mehr so auf, wie er am Anfang dargestellt wurde. Der Regisseur will nicht, dass sich der Zuschauer an eine Gewissheit klammert. Gewissheit ist für die Schwachen, für die Feiglinge, für die Faulen. Besser, man lässt sich auf einen Tanz ein, bei dem alles passieren kann. Genau wie der Strauss-Walzer, der elliptisch Exit…nur keine Panik eröffnet und schließt, mit einem evokativen Bild der Dächer von Wien.

Man hat immer Zeit, erwachsen zu werden und sich zu entwickeln. In der Zwischenzeit, wenn man nicht herumrennt und Schaden anrichtet, ist es viel besser, in einem Cabrio anzuhalten, den Mond zu betrachten und von fernen Reisen zu phantasieren.

Titel: Exit…nur keine Panik
Regie: Franz Novotny
Land/Jahr:Österreich, Deutschland / 1980
Laufzeit: 102’
Genre: Kriminalfilm, Actionfilm, Groteskfilm, Filmkomödie
Cast: Hanno Pöschl, Isolde Barth, Paulus Manker, Eddie Constantine, Peter Weibel, Peter Turrini, Kurt Kren
Buch: Gustav Ernst, Franz Novotny
Kamera: Alfio Contini
Produktion: Franz Novotny

Info: Die Seite von Exit…nur keine Panik auf der Webseite vom Filmarchiv Austria