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TO THE NIGHT

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von Peter Brunner

Note: 7

Der kontemplative Ton von To the Night ist besonders interessant. Und Regisseur Peter Brunner hat die große Fähigkeit, auf sehr persönliche und aufrichtige Weise eine vielschichtige innere Qual, die nicht einfach zu analysieren ist, zu inszenieren.

Düstere Vergangenheit

Nach dem Experimentalfilm Die Kinder der Toten (bereits auf der 69. Berlinale präsentiert und für die Diagonale 2019 ausgewählt) hat sich der bekannte österreichische Filmemacher Ulrich Seidl entschlossen, einen weiteren Spielfilm, der mit einem US-Team gedreht wurde, zu produzieren. Es handelt sich um den Film To the Night, der von dem jungen Wiener Peter Brunner gedreht wurde.

Der bereits erwähnte Die Kinder der Toten, der eine Verfilmung des gleichnamigen Romans von Elfriede Jelinek ist, ist, wie bereits erwähnt, ein stark experimenteller Film. To the Night hingegen steht für etwas ganz anderes.

Die innere Zerrissenheit des jungen Norman (ein sehr guter Caleb Landry Jones) wird hier inszeniert. Der Mann ist vor kurzem Vater geworden und läuft Gefahr, alles, was er liebt, zu zerstören. Grund dafür ist ein schweres Kindheitstrauma: Seine Eltern starben bei einem Brand, den er selbst unabsichtlich verursacht hat.

Licht und viele, viele Schatten sind die Protagonisten im Leben von Norman. Die Bilder werden also mit Hilfe von feinen Lichtspielen erzeugt. Das Leben des Protagonisten spielt sich fast immer nachts, an öffentlichen Orten oder in seiner Werkstatt, wo er meist einzigartige Kunstwerke schafft, ab. Die einzige Person, die ihm in seinen Krisenmomenten begleitet, ist sein Bruder. Auch er, der weder Arbeit noch Wohnung hat, ist aufgrund der vergangenen Ereignisse schwer traumatisiert.

In To the Night wird Normans innere Zerrissenheit von Brunner durch Großaufnahmen und Details inszeniert. Alles wird mit einer Schulterkamera aufgenommen. Vorzeitig faltige Gesichter, langsam inhalierte Zigaretten, Nadeln, die die Haut durchstechen, und Blicke auf New York City (ein stiller Zuschauer des Dramas des Protagonisten) sind in To the Night allgegenwärtig. Alles spielt sich hier in Dunkelheit oder Halbdunkel ab.

Die einzigen Momente, in denen wir ein schwaches, aber blendendes Sonnenlicht sehen, sind, wenn Norman mit seinem Sohn spielt, wenn er sich mit seiner Geliebten Luna trifft und wenn er schließlich beschließt, sein Leben zu ändern.

To the Night ist ein intensiver und klaustrophobischer Film, der an einen Bewusstseinsstrom erinnert. Ein ständiger Dialog zwischen Norman und seinen Geistern der Vergangenheit, der erst unterbrochen wird, als seine Verlobte unter der Situation leidet und sich um ihren neugeborenen Sohn kümmert.

Peter Brunner gelang es, auf sehr persönliche und aufrichtige Weise eine innere Zerrissenheit, die vielschichtig und gar nicht leicht zu analysieren ist, zu inszenieren. Und wenn der Spielfilm in manchen Momenten fast repetitiv zu werden scheint, ändert sich die Situation sofort.

Das Talent von Peter Brunner scheint uns für die Zukunft noch viele weitere Überraschungen zu versprechen. Und das hat auch Ulrich Seidl gemerkt.

Titel: To the Night
Regie: Peter Brunner
Land/Jahr: Österreich / 2018
Laufzeit: 102’
Genre:Drama, Liebesfilm
Cast: Caleb Landry Jones, Eléonore Hendricks, Jana McKinnon, Christos Haas, Abbey Lee
Buch: Peter Brunner
Kamera: Daniel Katz
Produktion: FreibeuterFilm, Loveless, Ulrich Seidl Filmproduktion GmbH

Info: Die Seite von To the Night auf Mymovies.it