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von Louise Kolm-Fleck und Jakob Fleck
Note: 7.5
Die Ahnfrau, von Louise Kolm-Fleck und Jakob Fleck, ist sehr fehlerhaft, aber anmutig inszeniert. Ein wertvolles Werk der österreichischen Filmgeschichte.
Gespenster
Die Ahnfrau, ein Juwel des österreichischen Films, das vor hundert Jahren – schon 1919 – von den Filmpionieren Louise Kolm-Fleck und ihrem Ehemann Jakob Fleck gedreht wurde, regt oft zum Schmunzeln an, obwohl es von einem dramatischen Theaterstück inspiriert wurde. Der heute leider unvollständige Film wurde kürzlich in der São Paulo Film Library in Brasilien restauriert und bei der Diagonale 2019 im Rahmen der Reihe Weiblichkeiten wieder gezeigt.
Die Ahnfrau, basierend auf dem gleichnamigen Theaterstück von Franz Grillparzer, erzählt eine reine Frauengeschichte: Die Geschichte einer Adeligen (Liane Haid), die, nachdem sie von ihrem Geliebten ermordet wurde, gezwungen ist, als Geist durch die Räume ihres alten Hauses zu wandern, bis alle Frauen ihrer Familie gestorben sind. Die einzige noch lebende Frau ist die junge Berta (die genauso aussieht wie die Verstorbene), die sich in einen geheimnisvollen jungen Mann, den charmanten Jaromir (Max Neufeld), verliebt.
Dieser Film ist seinerseits eine Neuverfilmung des gleichnamigen Films von 1910, den Jakob Fleck selbst inszeniert hat. Die Geschichte basiert hauptsächlich auf Missverständnissen und schafft es trotz vorhersehbarer dramatischer Wendungen, den Zuschauer gelegentlich zum Schmunzeln zu bringen. Das liegt daran, dass die ersten österreichischen Filme relativ spät produziert wurden, obwohl der Kinematograph schon fast fünfundzwanzig Jahre zuvor erfunden worden war. Der Regieansatz des Ehepaars Fleck ist daher oft „naiv“, präsentiert aber für die damalige Zeit ungewöhnliche und äußerst interessante Ideen, wie zum Beispiel die Entscheidung, im Verlauf der Inszenierung eine Rückblende (Umschnitt auf bereits gesehene Szenen) einzufügen.
Trotz dieser Vorbemerkungen hat Louise Flecks Regieansatz stets ein eher langsames Erzähltempo mit einer manchmal zu statischen Kamera beibehalten. Das Gleiche gilt für Die Ahnfrau: Die Kamera ist statisch, der Regieansatz erinnert an ein Theaterstück, und es gibt einige harmlose „Versehen“, wie zum Beispiel den vermeintlichen Drehortwechsel, der in Wirklichkeit im selben Raum stattfindet, bis zu dem Moment, in dem sich Jaromir – um einer Gruppe von Männern, die ihn verfolgen, zu entkommen – hinter einem Felsbrocken versteckt, der direkt neben den besagten Männern liegt.
Auch die Gestik der Schauspieler ist so übertrieben und überspitzt, dass sie an Edwin Stanton Porters
Fehlerhaft, manchmal ungewollt lustig. Aber sicher anmutig inszeniert. Das ist Die Ahnfrau: Ein wertvolles Werk der österreichischen Filmgeschichte. Schade nur, dass Louise Kolm-Fleck und ihr Mann Jakob Fleck trotz allem noch zu wenig bekannt sind.
Titel: Die Ahnfrau
Regie: Louise Kolm-Fleck, Jakob Fleck
Land/Jahr: Österreich / 1919
Laufzeit: 70’
Genre: Drama
Cast: Karl Ehmann, Liane Haid, Max Neufeld, Josef Recht, Eduard Sekler, Eugen Neufeld
Buch: Louise Kolm-Fleck, Jakob Fleck
Produktion: Wiener Kunstfilm
