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DIE 3 POSTRÄUBER

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von Andreas Prochaska

Note: 6.5


Mit Die 3 Posträuber wollte Andreas Prochaska, der sich an ein sehr junges Publikum gewandt hat, eine Welt inszenieren, in der das Gute immer triumphiert und in der es keine wirklichen Bösewichte gibt.

Als wir Kinder waren

Die 3 Posträuber (The three postal Robbers,1998), der Debütfilm des Wiener Filmemachers Andreas Prochaska, erwies sich als exzellentes Pre-Opening für die Diagonale 2019. Präsentiert in der Reihe Kinderkino, war der Film für Kinder und Erwachsene gleichermaßen ein Vergnügen. Ein perfektes Beispiel für ein Film, der vor allem durch den naiven, aber auch unglaublich aufmerksamen Blick der Kinder am Leben erhalten wird. Genau so, wie es François Truffaut sein Leben lang immer behauptet hat. Aber wir wollen nicht zu sehr abschweifen.

Wie gerade geschrieben, befinden wir uns im Jahr 1998. Andreas Prochaska, der später durch den Spielfilm In 3 Tagen bist du tot und die aktuelle deutsche Serie Das Boot international bekannt worden ist, wagte sich zum ersten Mal hinter die Kamera. Die 3 Posträuber (nach dem gleichnamigen Roman von Christine Nöstlinger) ist also eine Hommage an das Kino der Vergangenheit durch die Geschichte einer Gruppe von Kindern – angeführt von Meier und Liese -, die beschließen, die zwölfjährige Ivonka zu retten, da sie, nachdem sie zufällig von einem Raubprojekt erfahren hat, von drei tollpatschigen Verbrechern entführt worden ist.

Kommt Ihnen das bekannt vor? In Wahrheit erinnert Die 3 Posträuber an mehr als einen Film. Es ist unmöglich, zum Beispiel, nicht an den Kultfilm Stand by Me (1986) zu denken, in dem eine Gruppe von Kindern einen Auftrag ausführen muss, bei dem sie sich mit denjenigen konfrontiert sehen, die stärker und arroganter als sie selbst sind. In ähnlicher Weise ist Herr der Fliegen (sowohl William Goldings Roman als auch Peter Brooks Spielfilm von 1963) immer ein Trumpf.

Inspiriert von den genannten Spielfilmen und auch mit einer Hommage an die Brüder Lumière hat Prochaska einen vergnüglichen und spannenden Film inszeniert. Lustige Sketche – realisiert sowohl durch die drei Verbrecher als auch durch die komischen Charaktere der beiden älteren Tanten der jungen Liese (Gusti Wolf und Jane Tilden) bereichern das ganze Werk. Im Hintergrund: Themen wie Mobbing, aber auch die Unterwelt, werden mit Anmut und Feingefühl analysiert. Im Hinblick auf den ersten Themenbereich wird gezeigt, wie gemeinsame Ziele Unterschiede ausgleichen können. Und die drei Verbrecher sind so tollpatschig und mit so viel komischem Potenzial ausgestattet, dass sie dem Zuschauer schnell ans Herz wachsen.

Mit diesem lustigen Spielfilm wollte Andreas Prochaska, der sich an ein sehr junges Publikum gewandt hat, eine Welt inszenieren, in der das Gute immer triumphiert und in der es keine wirklichen Bösewichte gibt (man denke, zum Beispiel, an die Szene, in der die drei Diebe besorgt sind, dass ihre junge Geisel gut essen kann).

Dieser Regieansatz funktioniert, führt aber dazu, dass Die 3 Posträuber unausweichlich an die vielen Spielfilme erinnert, die nach dem Entstehung von Kultfilmen wie Stand by Me, Die Goonies oder auch dem ersten Es gedreht worden sind.

Das gilt für viele Kinderfilme, die vor allem in den Vereinigten Staaten entstanden sind, ebenso wie für unser Die 3 Posträuber. Und doch bemerkte jeder dank der feinfühligen Inszenierung das Talent von Andreas Prochaska. Der Rest kam von selbst.

Titel: Die 3 Posträuber
Regie: Andreas Prochaska
Land/Jahr: Österreich / 1998
Laufzeit: 91’
Genre: Polizeifilm, Family
Cast: Jane Tilden, Gusti Wolf, Claude Oliver Rudolph, Dolores Schmidinger, Thierry van Werveke
Buch: Ivo Schneider, Andreas Prochaska
Kamera: Michi Riebl
Produktion: WEGA Filmproduktion

Info: Die Seite von Die 3 Posträuber auf der Webseite der Austrian Film Commission