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WIE BRÜDER IM WIND

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von Gerardo Olivares und Otmar Penker

Note: 4.5

Wie Brüder im Wind, unter der Regie von Gerardo Olivares und Otmar Penker, ist ein zeitloses Märchen, ein Bildungsroman, der viele Elemente enthält, die ihn unweigerlich rhetorisch und wohlklingend einfältigmachen.

Frei in der Luft

Es sind Themen aus der Vergangenheit, die in Wie Brüder im Wind, unter der Regie von Gerardo Olivares und Otmar Penker, inszeniert wurden. Es sind universelle Themen, mit einer starken Anziehungskraft, aber auch – wie wir in Kürze sehen werden – Themen, die nur allzu leicht ins Rhetorische gleiten können. Thematisiert werden die schwierige Vater-Sohn-Beziehung, der Wert der Freundschaft, das lebensnotwendige Bedürfnis nach Freiheit und nicht zuletzt auch die Geschichte von Kain und Abel. Der Name des Adlers, der im Film mitspielt, spricht dabei Bände.

Abel ist ein Adlerjunge, der von seinem kleinen Bruder aus dem Nest geworfen wird. Der junge kleine Lukas (Manuel Camacho) seinerseits lebt zusammen mit seinem Vater (Tobias Moretti) in einer kleinen Hütte an den Alpenhängen. Nach dem Tod seiner Mutter (die versucht hat, ihn vor einem Feuer zu retten) hat sich das Kind – implizit von seinem Vater für das Geschehene verantwortlich gemacht – in ein hartnäckiges, aber auch verständliches Schweigen gehüllt. Die Dinge scheinen sich von dem Moment an zu ändern, als der Junge auf einem Waldspaziergang zufällig den kleinen Adler findet und beschließt, ihn mit in seinen geheimen Rückzugsort zu nehmen – auch mit Hilfe von Danzer (Jean Reno), einem einheimischen Holzfäller.

Mit Hinblick auf den (quasi) gesicherten Erfolg beim Publikum sind Geschichten über die Freundschaft zwischen Kindern und Tieren auf der großen Leinwand nicht selten zu sehen. Man denke nur an die relativ neue Belle & Sébastien-Saga aus Frankreich. Eine Saga, in der man sich leider jeder Floskel und jedes Klischees (mit einer recht fragwürdigen Regie) bedient hat, was, wie man sagen muss, auch auf unseren Film Wie Brüder im Wind zutrifft. Abgesehen von den interessanten Aufnahmen, die der österreichische Dokumentarfilmer Otmar Penker – der eigentlich auf Tieraufnahmen spezialisiert ist – von dem Adlerjungen (im Besonderen) und dem dazugehörigen Blickwinkel gemacht hat, hat Wie Brüder im Wind leider nicht viel zu bieten. Vielmehr ist es so, dass es in diesem Film viele Elemente gibt, die die Geschichte zu einer übermäßig rhetorischen und einfältigen Fabel machen. Vieles wirkt unbeholfen zusammengestückelt.

Zu den Elementen, die am wenigsten passen, gehört zunächst einmal zweifellos die sehr nervige und nutzlose Erzählerstimme, die so präsent ist, dass sie nur allzu oft die Bilder synchronisiert und einen ungünstigen fernsehdokumentarischen Effekt erzeugt (Penkers „Wurzeln“ lassen sich in diesem Zusammenhang nicht verleugnen).

Ein weiteres störendes Element ist ein schwerfälliger und süßlicher Soundtrack, der, in Verbindung mit einer an sich schon „zuckersüßen“ Geschichte, den Blutzuckerspiegel des durchschnittlichen Zuschauers in wenigen Minuten ansteigen lässt. Die Charakterisierung von Keller, Lukas‘ Vater, verdient eine besondere Erwähnung. Der Mann, der uns von den ersten Minuten an auf sehr zweideutige Weise gezeigt wird, scheint zunächst potentiell interessant zu sein, obwohl er in 90% der Szenen, in denen er anwesend ist, ununterbrochen an einem nicht näher definierten Etwas hämmert. In jedem Fall wird der Zuschauer dazu gebracht, auf eine finale Überraschung zu hoffen, in der die Figur – endlich – ihre ganze Komplexität offenbart. Eine Hoffnung, die auf traurige Weise enttäuscht wird, wenn wir sehen, wie Keller versucht, seinen Sohn anzuzünden(da er ihm den Unfalltod seiner Frau nie verziehen hat), nur um sich urplötzlich beim Anblick eines alten Familienfotos, das das Kind aufbewahrt hat, eines Besseren zu besinnen. In diesen Momenten sehnen wir uns unweigerlich nach Tobias Moretti in Gestalt von Richard Moser, dem ungeschickten und stets zu einem Flirt bereiten Polizisten von Kommissar Rex. Aber das ist natürlich eine andere Geschichte.

Titel: Wie Brüder im Wind
Regie: Gerardo Olivares, Otmar Penker
Land/Jahr: Österreich / 2016
Laufzeit: 94’
Genre: Abenteuerfilm
Cast: Manuel Camacho, Tobias Moretti, Jean Reno, Eva Kuen
Buch: Joanne Reay
Kamera: Oscar Duran, Otmar Penker
Produktion: Terra Mater Factual Studios

Info: Die Seite von Wie Brueder im Wind auf der Webseite vom Österreichisches Filminstitut